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Wenn Schwimmbildung zu Engagement führt
Donnerstag, erste und zweite Stunde: Schwimmunterricht. Für die Schülerinnen und Schüler des Matthes-Enderlein-Gymnasiums in Zwönitz gehört das inzwischen ganz selbstverständlich zum Schulalltag. Und wenn es nach ihnen geht, hat dieser Termin sogar einen kleinen Vorteil: „Danach sind wir geduscht und wach. :) “
Doch hinter den zwölf Wochen Schwimmunterricht in Klasse 10 steckt deutlich mehr als ein erfrischender Start in den Schultag. Alle Schülerinnen und Schüler durchlaufen in dieser Zeit eine Rettungsschwimmausbildung – integriert in den regulären Sportunterricht. Eine Besonderheit, die aus Schwimmbildung Rettungskompetenz machen kann, Bildungschancen eröffnet und für manche langfristig sogar den Weg ins Ehrenamt ebnet.
Eine Schule, in der Engagement zum Alltag gehört
Rund 650 Schülerinnen und Schüler besuchen das Matthes-Enderlein-Gymnasium. Die Schule beschreibt sich dabei selbst als weltoffen und legt großen Wert auf Zusammenhalt und offene Kommunikation. Das zeigt sich auch im vielfältigen Schulleben: Neben verschiedenen Fremdsprachen- und Vertiefungsprofilen gibt es zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, darunter Angebote aus den Bereichen Social Media, Robotik, Chor, Technik, Schulgarten, Jahrbuch und Schulsanitätsdienst. Einige davon werden sogar von Schülerinnen und Schülern für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler organisiert.
Auch darüber hinaus gehört Engagement zum Schulalltag. Der Schülerrat organisiert beispielsweise Spendenläufe und sorgt dafür, dass die Schule von den Einnahmen profitieren kann. Bei Projekttagen können Schülerinnen und Schüler eigene Projekte vorschlagen und umsetzen. Die Sekundarstufe II organisiert ihren Abiball selbstständig und beteiligt sich an Veranstaltungen im Ort.
So entstehen Begegnungen zwischen verschiedenen Jahrgangsstufen und eine Schulgemeinschaft, die von einem freundlichen und respektvollen Miteinander geprägt ist. Und genau in diese Kultur des Mitmachens fügt sich auch die Rettungsschwimmausbildung ein.
Rettungsschwimmen gehört zum Sportunterricht
Seit 2021 steht die DLRG an der Seite des Matthes-Enderlein-Gymnasiums. Aus der ursprünglichen Idee, Rettungsschwimmen als Ganztagsangebot anzubieten, wurde eine vollständig in den Sportunterricht integrierte Rettungsschwimmausbildung. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das: Die Ausbildung findet während der Schulzeit statt und muss nicht zusätzlich in der Freizeit organisiert werden.
Und der Rettungsschwimmer kann auch für den weiteren Bildungsweg relevant sein: Je nach Studiengang und Hochschule ist ein entsprechendes Rettungsschwimmabzeichen Voraussetzung für ein Studium oder für bestimmte Studienleistungen. Besonders im Bereich Sport und Sportlehramt kann der Nachweis eine Rolle spielen. Die Schülerinnen und Schüler erwerben die Qualifikation damit nicht nur für den Moment, sondern können sich gleichzeitig eine Perspektive für ihre weitere Ausbildung offenhalten.
Dabei geht es um weit mehr als Schwimmen. Erste Hilfe, das Retten mit Rettungsmitteln und weitere nichtschwimmerische Elemente gehören ebenfalls zur Ausbildung. Davon profitieren auch diejenigen, die sich in den klassischen Sportarten vielleicht weniger sicher fühlen.
„Viele Schüler, die Ballsportarten oder Leichtathletik nicht gut können, sind gute Schwimmer und können das nun endlich einmal zeigen.“
Aus Schwimmunterricht wird Engagement
Für die Schule ist die Ausbildung auch mit einem konkreten praktischen Nutzen verbunden. Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren können beispielsweise in den Freibädern der Umgebung als Rettungsschwimmer aushelfen. Einige unterstützen bereits das Freibad Zwönitz oder das Bad Greifensteiner und können sich dabei gleichzeitig etwas dazuzuverdienen.
Davon profitieren auch die Bäder selbst: Gerade in der Sommersaison können zusätzliche Rettungsschwimmer helfen, den Betrieb abzusichern. Gleichzeitig sammeln die Jugendlichen praktische Erfahrungen und bekommen einen Einblick in die Wasserrettung.
Die Rettungsschwimmausbildung endet für manche Schülerinnen und Schüler aber nicht mit der Prüfung. Nach Angaben der Medien-AG entscheiden sich aus jedem Jahrgang etwa ein bis zwei Jugendliche anschließend für eine Mitgliedschaft in der DLRG und damit für ehrenamtliches Engagement.
Auch für diejenigen, die den Rettungsschwimmer nicht schaffen oder ihn nicht machen möchten, bleibt etwas: Wissen und Fähigkeiten, die im Ernstfall helfen können – im Wasser ebenso wie an Land durch die Erste Hilfe.
Besonders in Erinnerung geblieben ist den Schülerinnen und Schülern dabei auch die Begleitung durch die DLRG. Die geduldige, humorvolle und ruhige Art von Florian Baumann (Gliederung Bad Schlema) habe sie motiviert, es immer wieder zu versuchen – gerade bei Herausforderungen wie dem Tauchen.
Und dass sich die Ausbildung auch im Schulalltag bemerkbar macht, zeigt sich bei Badeausflügen der Sekundarstufe II: Inzwischen sind dabei viele Rettungsschwimmer unter den Schülerinnen und Schülern. „Die Lehrer sind dafür immer sehr dankbar“, berichtet die Medien-AG.
Das Matthes-Enderlein-Gymnasium zeigt damit, was entstehen kann, wenn Schwimmbildung nicht nur als einzelne Unterrichtseinheit verstanden wird: Aus Schwimmen wird Rettungskompetenz, aus Rettungskompetenz können Bildungschancen entstehen – und langfristig vielleicht sogar der Weg ins Ehrenamt.
Als DLRG Landesverband Sachsen freuen wir uns besonders, mit dem Matthes-Enderlein-Gymnasium ein so engagiertes Beispiel für gelebte Schwimmbildung in Sachsen zu haben. Die Schule zeigt, was möglich wird, wenn Schwimmausbildung, Rettungskompetenz und Engagement miteinander verbunden werden. Dafür sagen wir Danke – und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit der Schule und allen Beteiligten.



