Zwischen Wasserzeiten, Personal und fehlenden Schwimmflächen
Schwimmen gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten, die Kinder erlernen können. Es schafft Sicherheit, stärkt das Selbstvertrauen und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe. Dennoch haben nicht alle Kinder die gleichen Chancen, sicher schwimmen zu lernen.
Bildung ist in Deutschland Ländersache. Dadurch unterscheiden sich die Voraussetzungen für den Schwimmunterricht mitunter deutlich je nach Bundesland. Während Lesen, Schreiben und Rechnen selbstverständlich als grundlegende Bildungsziele gelten, hängt die Schwimmausbildung vielerorts von den Rahmenbedingungen vor Ort ab.
Doch selbst dort, wo Schwimmunterricht als fester Teil des Stundenplans vorgesehen ist, stehen Schulen häufig vor praktischen Herausforderungen.
Damit Kinder überhaupt schwimmen lernen können, braucht es mehr als ein Schwimmbecken. Erforderlich sind ausreichend Wasserflächen und verfügbare Schwimmzeiten, qualifizierte Lehrkräfte und Betreuungspersonal sowie Zeit und finanzielle Ressourcen für die Durchführung des Schwimmunterrichts – einschließlich An- und Abreise.
Gerade diese Voraussetzungen werden vielerorts zunehmend zur Herausforderung. Zahlreiche Schwimmbäder sind sanierungsbedürftig oder stehen nur eingeschränkt zur Verfügung. Gleichzeitig konkurrieren Schulen, Vereine und der öffentliche Badebetrieb um begrenzte Wasserzeiten. Auch der organisatorische Aufwand für Planung, Transport und Durchführung bindet personelle und finanzielle Ressourcen. Wechselnde Haushaltslagen können langfristige Planungen zusätzlich erschweren.
Die Folgen sind messbar
Die Auswirkungen dieser Rahmenbedingungen zeigen sich auch in aktuellen Zahlen zur Schwimmfähigkeit von Kindern: Eine repräsentative forsa-Befragung im Auftrag der DLRG aus dem Jahr 2022 zeigt, dass 20 Prozent der Kinder im Grundschulalter überhaupt nicht schwimmen können. Damit hat sich ihr Anteil gegenüber 2017 verdoppelt.
Noch größer ist der Anteil der Kinder, die zwar schwimmen können, aber noch nicht als sichere Schwimmerinnen und Schwimmer gelten. Nach Einschätzung der DLRG sind 58 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule keine sicheren Schwimmer. Als sicherer Schwimmer gilt dabei, wer mindestens das Deutsche Schwimmabzeichen Bronze erworben hat.
Die Folgen reichen dabei weit über den Schwimmunterricht hinaus. Wer die Grundschule ohne sichere Schwimmfähigkeit verlässt, kann sich im Wasser noch nicht sicher und selbstständig bewegen. Gleichzeitig bleiben vielen Kindern Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, des Vereinssports und gemeinsamer Aktivitäten im und am Wasser zunächst verschlossen.
Gemeinsam Schwimmbildung stärken
Damit jedes Kind die Chance erhält, sicher schwimmen zu lernen, braucht es das Zusammenspiel vieler Akteure. Schulen, Schulträger, Kommunen, Schwimmbäder, Vereine und ehrenamtlich Engagierte leisten gemeinsam einen wichtigen Beitrag, um Schwimmbildung trotz der bestehenden Herausforderungen zu ermöglichen.
Mit der Kampagne #SchwimmenIstBildung möchte die DLRG Sachsen den Blick auf genau dieses Thema richten. In den kommenden Wochen zeigen wir darum, weshalb Schwimmen eine grundlegende Lebenskompetenz ist, welche Chancen eine gute Schwimmausbildung eröffnet und wie Schulen, Vereine und Ehrenamt gemeinsam dazu beitragen können, dass mehr Kinder sicher schwimmen lernen.
Denn Schwimmen ist mehr als Sport – Schwimmen ist Bildung und eine Fähigkeit fürs Leben.



