Interview mit Strömungsrettung Julian Illig
Interview mit Julian Illig, Referent Strömungsrettung im DLRG Landesverband Sachsen
Herr Illig, wie erkennt man Strömungen? Sind diese überhaupt immer sichtbar?
Julian Illig: Strömungen sind häufig gar nicht oder nur sehr schwer zu erkennen – und genau das macht sie so gefährlich. Außerdem werden sie von vielen Menschen unterschätzt. Schon ab einer Wassertiefe von etwa 20 bis 30 Zentimetern und entsprechender Fließgeschwindigkeit kann eine Strömung einen Menschen umwerfen und mitreißen.
Wo treten Strömungen in Sachsen auf? Wir haben ja keine Küste.
Julian Illig: Strömungen gibt es in allen Flüssen – von kleinen Bächen bis hin zu großen Flüssen wie Elbe oder Neiße. Deshalb sollte man ausschließlich dort baden, wo das Baden erlaubt ist und möglichst überwachte Badestellen nutzen. Außerdem gilt: Niemals alleine baden gehen.
Was mache ich, wenn ich doch in eine Strömung gerate?
Julian Illig: Wenn man trotz aller Vorsicht in eine Strömung gerät, ist das Wichtigste, ruhig zu bleiben. Versucht niemals, gegen die Strömung anzuschwimmen – diesen Kampf verliert jeder, egal wie gut er schwimmen kann.
Lasst euch stattdessen mit der Strömung treiben und schwimmt, wenn ihr die Kraft dazu habt, in einem Winkel von etwa 45 Grad schräg Richtung Ufer aus der Strömung heraus.
Reicht die Kraft dafür nicht aus oder fühlt ihr euch unsicher, dreht euch auf den Rücken und lasst euch mit den Füßen voran treiben. So bleiben Mund und Nase möglichst frei über der Wasseroberfläche, sodass ihr weiter atmen könnt. Gleichzeitig schützen die Füße vor Hindernissen im Wasser, ihr spart Kraft und könnt mit den Armen eure Richtung leicht beeinflussen.
Wenn ihr ausreichend Luft bekommt, macht durch Rufen oder Winken gezielt auf euch aufmerksam.
Was sollte man bei Strömungen besonders beachten?
Julian Illig: Strömungen werden häufig unterschätzt. Deshalb sollten Helfer ohne entsprechende Ausbildung und Ausrüstung niemals selbst ins Wasser gehen, da sie sich sonst ebenfalls in Lebensgefahr bringen können.
Alarmiert stattdessen sofort über die 112 den Rettungsdienst und schildert möglichst genau, wo ihr seid und was passiert ist.
Wenn möglich, reicht der verunglückten Person einen Stock oder werft einen Rettungsring – idealerweise mit Leine – zu. Achtet dabei darauf, euch selbst gut zu sichern, damit ihr nicht ebenfalls ins Wasser gezogen werdet.
Außerdem sollte man sich grundsätzlich von Brückenpfeilern, Felsen, umgestürzten Bäumen, Wehren und ähnlichen Bauwerken im Wasser fernhalten. Dort können gefährliche Strömungen, Walzen und Strudel entstehen, die selbst für ausgebildete Strömungsretter eine Rettung zu einer Herausforderung machen.
Zusammengefass lässt sich also sagen: Gegen die Strömung kämpft niemand erfolgreich. Ruhig bleiben, mit der Strömung treiben lassen und schräg aus der Strömung raus Richtung Ufer schwimmen!
Julian Illig: Richtig
Vielen Dank für diesen spannenden Einblick.
Wenn ihr mehr über die Grundregeln für Selbsrettung bei verschiedenen Notfällen wissen wollt, dann schaut euch die folgenden Tipps an: Selbst- & Fremdrettung | DLRG e.V.



