Für viele Kinder ist es ein ganz besonderer Moment: Nach vielen Übungsstunden im Wasser ist es geschafft – das erste Schwimmabzeichen ist erreicht. Stolz halten Kinder ihr Seepferdchen in den Händen. Und oft wartet zu Hause schon die nächste wichtige Aufgabe: Das Abzeichen wird gemeinsam mit Eltern oder Großeltern voller Freude auf den Badeanzug oder die Badehose genäht.
Das Frühschwimmerabzeichen, umgangssprachlich „Seepferdchen“, ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum sicheren Schwimmen. Es zeigt, dass ein Kind erste Erfahrungen im Wasser gesammelt und grundlegende Schwimmfähigkeiten erworben hat.
Gleichzeitig hält sich ein Missverständnis rund um das Seepferdchen trotz andauernder Aufklärung von Schwimmverbänden und Wasserrettungsorganisationen sehr hartnäckig: Das Abzeichen wird häufig mit sicherem Schwimmen gleichgesetzt. Doch das Seepferdchen ist noch kein Nachweis für sicheres Schwimmen.
Was wird beim Seepferdchen geprüft?
Beim Frühschwimmerabzeichen „Seepferdchen“ müssen Kinder verschiedene Grundlagen zeigen:
- Sie springen vom Beckenrand ins Wasser.
- Sie schwimmen 25 Meter in einer Schwimmart in Bauch- oder Rückenlage.
- Sie holen einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser herauf.
- Sie kennen wichtige Baderegeln.
Diese Anforderungen sind wichtige erste Schritte. Sie zeigen, dass ein Kind sich im Wasser bewegen und grundlegende Aufgaben bewältigen kann.
Doch sicher schwimmen bedeutet mehr!
Sicheres Schwimmen bedeutet mehr als das Bewältigen einer kurzen Strecke unter kontrollierten Bedingungen.
Im Alltag treffen Kinder auf ganz unterschiedliche Situationen. Ein See oder das Meer lassen sich nicht mit einem Schwimmbecken vergleichen: Ablandiger Wind kann das Zurückkommen ans Ufer erschweren, die Sicht unter Wasser kann eingeschränkt sein und natürliche Hindernisse wie Pflanzen können unerwartete Situationen schaffen. In Flüssen und am Meer kommen zusätzlich Strömung und wechselnde Bedingungen durch Wellengang hinzu.
Auch im vertrauten Schwimmbad können Situationen entstehen, die besondere Fähigkeiten erfordern: Ein Kind kann Wasser verschlucken, die Orientierung verlieren oder durch andere Kinder unbeabsichtigt ins Wasser gestoßen beziehungsweise unter Wasser gedrückt werden.
Dafür braucht es neben der Schwimmtechnik auch Ausdauer, Kraft, Erfahrung und die Fähigkeit, die eigenen Möglichkeiten im Wasser richtig einzuschätzen. Auch der Umgang mit unterschiedlichen Situationen und die Grundlagen der Selbstrettung entwickeln sich erst durch weitere Übung und Ausbildung.
Der Weg zum sicheren Schwimmer
Nach dem Seepferdchen endet die Schwimmausbildung nicht – sie geht weiter.
Mit regelmäßigem Üben und weiterführenden Schwimmabzeichen werden Fähigkeiten ausgebaut und gefestigt. Ein wichtiger nächster Schritt ist das Deutsche Schwimmabzeichen Bronze, das vielen auch unter dem Begriff „Freischwimmer“ bekannt ist.
Die Anforderungen gehen dabei deutlich über die des Seepferdchens hinaus. Für Bronze mussen unter anderem 15 Minuten ununterbrochen geschwommen und dabei mindestens 200 Meter zurückgelegt werden. Außerdem müssen zwei Gegenstände aus etwa zwei Meter tief heraufgetaucht sowie ein Paketsprung absolviert werden.
Mit dem Deutschen Schwimmabzeichen Bronze wird erstmals der Nachweis des sicheren Schwimmens erbracht. Das gilt unabhängig vom Alter – also für Kinder ebenso wie für Erwachsene.
Das Ziel: sicher schwimmen können
Das Seepferdchen ist ein Erfolg, auf den Kinder stolz sein können. Es ist ein wichtiger Anfang – aber noch nicht das Ziel.
Mit weiterer Übung und Ausbildung wachsen Sicherheit, Ausdauer und Erfahrung im Wasser. So entwickeln Kinder Schritt für Schritt die Fähigkeit, sich sicher und selbstständig im Wasser zu bewegen.
Das Seepferdchen ist der Anfang. Sicher schwimmen zu können ist das Ziel.



